Stobete

Dienstag, 28. Juli 2026

arthur#19 «Stobete» im Toggenburg
29.08 & 05.09. & 12.09.2026

Stubete*, im Toggenburg auch «Stobete», bezeichnet das gesellige Zusammensein von Freunden und Nachbarn in der Stube einer Gastgeberin oder eines Gastgebers. Der Ausdruck – für den es bereits Belege aus dem 15. Jahrhundert gibt, so 1456 für Zürich – findet sich vor allem in der östlichen Schweiz, in Zürich, Thurgau, St. Gallen und Graubünden. Die Stubete entwickelte sehr unterschiedliche Formen, von der gemütlichen Zusammenkunft von Frauen, die sich einer gemeinsamen Heimarbeit widmeten (Spinnstubete, Schleizstubete), über Lieder- oder Tanzabende (Singstubete) bis hin zu Anlässen religiösen Charakters in freikirchlichen Kreisen (Bettstubete, Stündlerstubete).

(* Ausschnitt aus «Paul Hugger: «Stubeten», in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), Version vom 02.10.2014. Online: https://hls-dhs-dss.ch/de/articles/007890/2014-10-02/, konsultiert am 30.11.2025.»)

Kunst im privaten Raum

Mit arthur#19 nimmt die Kunsthalle[n] Toggenburg den Brauch der «Stobete» auf und schafft in privaten Stuben, den Raum sich zu treffen und gemeinsam mit Kunst auseinanderzusetzen.
 
Für die Stobete öffnen Menschen ihre Stuben und verwandeln den privaten Raum in einen Ort der Begegnung zwischen Kunst und Alltag. Die Kunst tritt dabei leise ein – als Licht, Klang oder Bild –, nimmt die Eigenheit des Raumes auf und verändert ihn nur auf Zeit, ohne ihn zu vereinnahmen. Gastgeber:innen und Kunstschaffende bewegen sich gemeinsam in einem sensiblen Zwischenraum, in dem sich Privates und Öffentliches berühren. In dieser vorsichtigen Grenzüberschreitung entsteht eine besondere Form von Nähe, getragen von Vertrauen, Neugier und Respekt.
In der Stobete werden Besucher:innen, die es wünschen, selbst zu Beobachtenden und Dokumentierenden: Mit kleinen Kameras ausgestattet, halten sie ihre eigenen Wege durch den Raum fest. Aus diesen fragmentarischen Blicken entsteht im Nachgang ein verdichteter Film, der die Vielschichtigkeit der Begegnungen sichtbar macht und über den Moment hinausträgt. Zugleich verändert die Kamera den Blick – sie schärft die Wahrnehmung, verunsichert oder inszeniert und schreibt sich in das Verhalten der Anwesenden ein. So wird die Stube nicht nur erlebt, sondern auch reflektiert und neu erzählt.

Vier Stuben im Toggenburg

Gastgeber:innen von vier Stuben verteilt im Toggenburg heissen Kunstinteressierte willkommen.

Samstag, 29.08.26, 12.00–18.00 Uhr

Stobete in Lichtensteig, Oberer Flooz 4248
Kunstschaffender: Lukas Huber, Basel
Projekt «, auf dass sie eines Tages zu uns sprechen mögen.».
Lukas Huber nutzt eine offene, reduzierte Solo-(Anti-)Oper, um die Distanz zwischen Kunst und Publikum aufzulösen und eine verdinglichte Welt wieder sprechen zu lassen.
 
Stobete in Mogelsberg, Dorfstrasse 4
Kunstschaffende: Mario Baronchelli, Güttingen und St. Gallen & Gabriela Falkner, Herisau
Projekt «StobeteDJStickereiABB...undKunstüberall»
Mario Baronchelli und Gabriela Falkner interessieren sich für Fragen der Wahrnehmung, das Verhältnis von Sein und Schein sowie das Spiel mit Illusion und Irritation. Mit subtilen Eingriffen machen sie verborgene Bedeutungen des Alltäglichen in der Stube sichtbar.

Samstag, 05.09.26, 12.00–18.00 Uhr

Stobete in Ebnat-Kappel, Ebnaterstrasse 22
Kunstschaffender: Philip Dickmann, Wattwil
Projekt «Ein fragmentiertes Wohnzimmer Porträt»
Philip Dickmann verdichtet in einem zeichnerischen Wohnzimmerporträt die Lebenswelt der Bewohnenden so, dass Kunst und Realität ineinander übergehen und dadurch neue Perspektiven auf Raum, Identität und die «Stobete» als sozialen Begegnungsraum entstehen.

Stobete in Wattwil, Uelisbach, Waisenhausstrasse 15
Kunstschaffender: Oliver Zenklusen, Zürich
Projekt «le ciel quand les voisins font l’amour»
Oliver Zenklusen transformiert hörbare Intimität aus dem nachbarschaftlichen Alltag durch fotografische Himmelsbilder in einen poetisch geöffneten Raum, in dem sich private Erfahrung, kollektive Imagination und ästhetische Überhöhung überlagern.

Bei den einzelnen Standorten richtet die Kunsthalle[n] Toggenburg eine «Haltestelle» mit dem Kunstnomaden «arthur» und Informationen zum aktuellen und zu den früheren Projekten der Kunsthalle[n] Toggenburg im Freien ein. Hier werden die Gäste empfangen, können sich setzen, etwas trinken, austauschen und die Zeit bis zum Einlass, ihren Besuch der Stube, verbringen.

Kunstvermittlung für alle

Samstag, 29.08.26, 09.30-11.30 Uhr
Lichtensteig, Hauptgasse 3

Samstag, 05.09.26, 12.00–18.00 Uhr
Ebnat-Kappel, Bahnhofplatz, Schuppen

Eine gutbürgerlich eingerichtete Stube auf dem öffentlichen Platz irritiert, balanciert jedoch die Grenze zwischen Privatraum und öffentlichen Raum aus. Das gesellige Zusammensein zufällig dazugestossener Passanten gipfelt im gemeinsamen Stricken von Blumen mit Dominique Kähler Schweizer, Wil, alias Madame Tricot.
An der Finissage finden die Strickarbeiten als Gesamtbouquet ihren Platz.
 

Finissage im Rathaus für Kultur, Lichtensteig

Samstag, 12.09.26, 16.00–20.00 Uhr

Podiumsdiskussion rund um «Kunst für die Öffentlichkeit im privaten Raum»,
Moderation: Christina Genova, Leiterin Ostschweizer Kultur, CH Regionalmedien AG
Teilnehmende: Vertreter:innen aus Kunstorganisationen, Kunstschaffende, Gastgeber:innen

Stobete – der Film von Hanes Sturzenegger, Lichtensteig

Enthüllung Blumenbouquet der Kunstvermittlung

Musikalische Intermezzi mit Elias Menzi am Hackbrett

Apéro

 
 
Für die grosszügige Unterstützung zur Realisierung von arthur#19, «Stobete», bedanken wir uns bei:
 
 

ARNOLD BILLWILLER STIFTUNG

 
 
 
 
 
 

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